Mit der Originalität ist das so eine Sache

31.3.2009 Durch Zufall stossen wir auf eine Veranstaltung am Chiemsee (“Marken-Kolloquium”). Das klingt so schön nach “Marken-Technikum”. Logo und Internet-Auftritt sind stilistisch durch den Genfer Sog deformiert. Bei ihren Leistungen lassen die Veranstalter des Kolloquiums prachtvolle Ähnlichkeiten – “selbstkonform” müsse man sein, fremdkonform ist man – zum früheren Arbeitgeber erkennen. Auch der frühere Arbeitgeber dispensiert bekanntlich nicht durchwegs Originales (… Selbstähnlichkeit® ist eine Marke von Dr. Otte Brand Consulting …). Aber das ist nicht justiziabel. Es ist marktüblich. Der Markenverband schreibt sich den Schutz wirtschaftlichen Originalwissens auf die Fahne. Die Grossverweser des Originalitätsanspruchs arbeiten offenbar im sechsten Jahr mit der zweiten Version einer Originalschöpfung zusammen. Marktüblich.

Gute Produkte – nicht gut genug

25.3.2009 Viele Autohersteller schlingern in der Weltwirtschaftskrise und ringen mit dem Tode. Für kleine Beträge kann man heute namhafte Marken kaufen. Saab (insolvent) wäre wahrscheinlich für einen Dollar zu haben. Saab hat hervorragende Produkte. Opel steht am Rande des Untergangs. Damit es gekauft würde, müsste die deutsche Regierung noch viel Geld drauflegen. Und selbst das würde einen Verkauf noch nicht sicherstellen. Es ist tragisch, Opel macht hervorragende Produkte. Mercedes ist in ernsten Liquiditätsschwierigkeiten. Mercedes macht auch hervorragende Produkte. Aber Mercedes bekommt viele Milliarden aus dem Orient.  So ist das (L)eben: Die Marke entscheidet: Produkte gut – Geld fraglich. Marke gut – Geld gut.

Nochmals: Marken sind Graue Schwäne

23.3.2009 Hier einige Stichworte zur Markenführung aus “Der Schwarze Schwan”: Fraktale Strukturen, auch selbstaffine, selbstähnliche (!) Strukturen entstehen durch kleine, rekursive Regeln. Rekursiv heisst, etwas wird unendlich häufig auf sich selbst angewendet. Soziokulturelle Werte sind genau diese rekursiv angewendeten Regeln. Rekursive Regeln seien ideal für die ‘Generierung visuelle Intuitionen’. (TO: Marketing-Wissen ist nicht selbstähnlich, sondern gaussch, daher auch so schwach in Markenführung.) … Selbstähnliche Prozesse enthüllen uns erst nach sehr langer Zeit ihre Eigenschaften … wir unterschätzen das Ausmass möglicher Schocks … die Gesetze seien universell. Mehr zur Führung Grauer Schwäne S. 310 ff.

Markenführung heisst Widerstand

16.3.2009 Die Marke Schweiz schwächelt. Marken schwächeln immer zuerst vom Kopf her. Der pseudoelastische Auftritt, Führung darf man dazu nicht sagen, in Sachen Bankgeheimnis ist ein ziemlich trauriger Beleg für die fortschreitende Selbstaufgabe der Besonderheit der Schweiz. Die Weltwoche sagt’s richtig: Zu sich selbst stehen bedeutet Widerstand. Widerstand gegen das nächstliegend Bequeme. Das nächstliegend Bequeme ist immer das Falsche. Einmal mehr: Markenführung ist Wille, hier der Wille, auch unter dem heuchlerischen Geschrei der Hochsteuerkartelle standzuhalten. Anpassung ist das Ende der Marke.

Preis = Stärke

8.3.2009 Wie man leicht zeigen kann ist der Preis der direkte Ausdruck der Markenstärke: Gute Ski gibt es schon für 600.- inkl. Bindung. Der Zai-Ski ist für 4′000.- zu haben (knapp Faktor 7). Schöne florale Seidenfoulards sind für 25 – 50.- erhältlich. Hermès-Tücher lösen 450.- (Faktor 9 oder höher). Bei Marken gilt die Preis-Absatzfunktion nicht.

Marke heisst Besonderheit

8.3.2009 Wer die Besonderheit einer Leistung verringert, verringert die Kraft der Marke. Erschütternd, wie die Besonderheit der Schweiz, die aus der moralischen Überlegenheit ihrer Werte und Überzeugungen kommt, durch amtliches Handeln vernichtet wird. Ein schöner Sieg für die internationalen Sozialisten.